Sechzehn neue Gesichter

Bericht vom 28. Treffen der DFC Selbsthilfegruppe

Kenia – Somalia – Guinea – Gambia – Eritrea – Syrien – Deutschland … An diesem ersten Samstag im März kamen Frauen aus sieben Nationen in unserer DFC Selbsthilfegruppe zusammen. Insgesamt hatten wir mehr als 30 Teilnehmerinnen. Angesichts des wundervollen Frühlingswetters, das zum Spazierengehen in einen der vielen Berliner Parks lockte, eine ansehnliche Zahl. Natürlich waren wie immer auch viele Kinder anwesend. Raagiya, die im Januar ihren Sohn im Krankenhaus Waldfriede entbunden hat, stattete unserer Gruppe ebenfalls einen Besuch ab. Vor allem aber waren viele neue Gesichter unter uns.

Insgesamt 16 neue Gesichter

Am 04. März 2017 konnten wir 16 neue Frauen zu unserem 28. Treffen begrüßen. Sie alle haben zum ersten Mal Kontakt zur DFC Selbsthilfegruppe aufgenommen. Unser Team war stark gefordert. Wie gut, dass auch Evelyn Brenda wieder bei uns sein konnte und uns bei der Kommunikation so tatkräftig unterstützt hat.

Natürlich wollten wir allen neu anwesenden Frauen gut verständlich erklären, welche ganzheitliche medizinische Hilfe wir nach Genitalverstümmelung im Krankenhaus Waldfriede anbieten können. Das war, wie schon zu anderen Gelegenheiten erlebt, ein Balanceakt zwischen den Sprachen. Damit uns alle Frauen verstehen, haben wir vom Deutschen ins Englische, Somalische und Französische übersetzt. Das kostet einige Mühe, trotzdem hatten gerade die Frauen aus Eritrea und Gambia einige Schwierigkeiten, allen Ausführungen zu folgen. Wir hoffen, dass wir sie bei einem unserer nächsten Treffen wiedersehen und es uns gelingt, noch offen gebliebene Fragen zu beantworten.

Aufklärung ist so wichtig

Unsere Selbsthilfegruppe ist für Frauen gedacht, die beschnitten sind. Wir möchten bei uns einen Rahmen zum Austausch über die Erfahrungen und Erlebnisse mit FGM schaffen. Natürlich sind wir ebenso für alle diejenigen da, die sich zunächst einmal nur – und auch über unser Angebot – informieren wollen. Dies ist umso wichtiger als gerade rund um den letzten internationalen Aktionstag gegen Genitalverstümmelung erneut viel in der Presse über das Thema FGM berichtet wurde. Neben aller Aufklärung werfen Artikel, Radiobeiträge oder Talkshows aber auch Fragen auf. Solche Fragen haben oft nur unter geschützten Bedingungen eine Chance, auch tatsächliche gestellt und beantwortet zu werden.

Wir haben festgestellt, dass inzwischen häufiger Frauen zur Selbsthilfegruppe kommen, die überhaupt nicht wissen, was wir hier anbieten. Wir nehmen an, dass diese Frauen über engagierte Sozialarbeiter aus Asylheimen oder aus Jugendschutzeinrichtungen zu uns geschickt werden. Außer der Vermutung, sie könnten aufgrund ihrer Herkunftsländer beschnitten sein, gibt es für uns dann keine konkreten Anhaltspunkte über ihre Beweggründe zu uns zu kommen. Wir müssen also erst langsam herausfinden, wo wir hier direkt anknüpfen können. In einer solchen Situation ist natürlich besondere Behutsamkeit und Zurückhaltung gefragt. Wir wollen ja keine Frau verschrecken.

Wissen für alle, die mit FGM in Berührung kommen

Wir möchten die Gelegenheit nutzen, an dieser Stelle auf ein Angebot zu verweisen, das Menschen, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren, ein gutes Werkzeug in die Hand gibt. Es handelt sich um eine webbasierte Plattform für Fachpersonal. Diese wurde anlässlich des „Null-Toleranz-Tages“ gegen weibliche Genitalverstümmelung am 06.02.2017 von TERRE DES FEMMES bei einer Fachkonferenz präsentiert, zu der auch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) eingeladen hatte.

Die Wissensplattform ist im Rahmen des EU-geförderten Projektes „United to End FGM“ gemeinsam mit europäischen Partnerorganisationen entwickelt worden. Seit dem 6. Februar steht sie kostenlos zur Verfügung. Sie umfasst: einen E-Learning-Kurs, der in 9 Sprachen verfügbar ist, länderspezifische Informationen zu 11 EU-Mitgliedsstaaten sowie interaktive Zusatzangebote wie Webinars und ein Online-Diskussionsforum.

Der E-Learning-Kurs soll das Bewusstsein für und das Wissen über FGM verbessern. Er richtet sich an Fachkräfte aus verschiedenen Bereichen, angefangen bei Gesundheit, Asyl, Recht und Justiz über Strafverfolgung und Polizei bis hin zu Bildung, Sozialdienst und Kinderschutz. Und natürlich geht es bei dem Angebot auch um die Medien, die ja wichtige Multiplikatoren sind. Außerdem können sich hier NGOs und speziell Frauenrechtsorganisationen und Unterkünfte, die von FGM betroffenen Frauen und Mädchen Schutz bieten, umfassend informieren und weiterbilden. Genaue Auskünfte gibt die Organisation Menschenrechte für die Frau e.V. TERRE DES FEMMES.

Direkte Kontakte sind oft der Schlüssel

Unsere DFC Selbsthilfegruppe bietet eine wunderbare Ergänzung zur Sprechstunde bei unserer Oberärztin Dr. Cornelia Strunz. Sie ist es, die die von FGM betroffenen Frauen im Krankenhaus Waldfriede zum ersten Mal trifft, mit ihnen ausführlich von Angesicht zu Angesicht spricht und sie ausgehend vom Beschwerdebild untersucht. Sofern die Frauen dazu schon bereit sind.

In dieser Woche waren zwei somalische Frauen zur Beratung bei Dr. Conny, wie die ärztliche Koordinatorin im DFC liebevoll genannt wird. Beide waren sehr ängstlich und unschlüssig in Bezug auf die Möglichkeit einer wiederherstellenden Operation. Nur einen Tag später, in der Selbsthilfegruppe haben die beiden nun die Möglichkeit genutzt, sich mit bereits operierten Frauen auszutauschen. Das ging offensichtlich sehr gut und brachte viele neue Erkenntnisse. Bei unserer abschließenden Runde bei Kaffee und Kuchen in der Cafeteria haben beide Frauen um einen OP-Termin im Krankenhaus Waldfriede gebeten. Dass sich die Ängste so schnell zerstreuen lassen würden, damit hatten wir nicht gerechnet. Es geht also nichts über den Austausch untereinander und vor allem mit denjenigen, die schon ein paar Schritte weiter sind…